Einbecker Bierblog

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Limitierter Sondersud „Hanse-Bock“ vorgestellt

Er war zwar nicht der erste moderne Biertreck, aber derjenige, der die Hauptstadt der Hanse zum Ziel hatte: Vor 50 Jahren führte der „Hansebiertreck“ des Einbecker Brauhauses von Einbeck nach Lübeck, am 19. Mai 1972 erreichte er den Lübecker Marktplatz. Zur Erinnerung daran haben die Einbecker in diesem Jahr einen limitierten Sondersud, den „Hanse-Bock“, gebraut. Die Erstabfüllung erhielt der Lübecker Bürgermeister als Vormann der Städtehanse.

Sören Wolff vom Einbecker Brauhaus überreicht die Erstabfüllung an Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau. Foto: Einbecker Brauhaus AG

Im Gespräch mit dem Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau hat der Einbecker Handelschef und Bockbierbotschafter Sören Wolff den „Hanse-Bock“ so beschrieben: „Der Einbecker Hanse-Bock ist ein helles naturtrübes Bockbier mit edlen Hopfenaromen, das Gaumen und Nase mit zitronig-frischer Note betört. Den wird es in diesem Jahr – und zwar nur in diesem Jahr – in vielen Städten in Nord- und Westdeutschland zum Probieren im neuen Open Basket geben.“ Wolff meint damit den offenen Sechserträger, in dem der Kunde den Inhalt gut sehen und die Flaschen leicht und einfach herausnehmen kann. Das naturtrübe Bockbier mit Aromahopfen veredelt ist eine aromatische Besonderheit mit feinen Zitrus- und Cassisnoten. Der Sondersud „Hanse-Bock“ hat eine Stammwürze von 16,3° GP und einen Alkoholgehalt von 6,6 % vol.

Die Erstabfüllung des „Hanse-Bock“ überreichte Sören Wolff in dieser Woche an Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, der zugleich Vormann des Städtebundes „Die Hanse“ ist. „Wie im Mittelalter befindet sich der Mittelpunkt der Hanse im Lübecker Rathaus. Ich freue mich sehr, dass ich den Hanse-Bock persönlich im ehrwürdigen Audienzsaal an den Vormann der Hanse übergeben kann“, wird Wolff in einer Pressemitteilung der Hansestadt Lübeck zitiert.

Seit 1368 war Einbeck Mitglied der Hanse, zu dieser Zeit eine Wirtschaftsmacht im Nord- und Ostseeraum. Wolff überreichte Lindenau nicht nur das Bier, sondern auch symbolisch einen Datenstick mit dem Erklärfilm, den das Einbecker Brauhaus für den „Hanse-Bock“ produziert hat. „Die Kommunikation mit unseren Bierfans findet immer mehr in Social Media statt“. Das gab es bei der früheren Hanse noch nicht.

Youtube-Video der Einbecker Brauhaus AG zum „Hanse-Bock“

„Die Aufgaben der Hanse sind der lebendige Austausch der Mitgliedsstädte und die Pflege des gemeinsamen Kulturerbes“, sagte Lindenau. „Dazu gehört zweifellos auch das traditionelle Einbecker Bier. Ich danke der Einbecker Brauhaus AG für ihre Initiative.“ Der Städtebund „Die Hanse“ wurde 1980 in Zwolle neu gegründet und ist mit fast 200 Mitgliedsstädten in 16 europäischen Ländern eine der größten freiwilligen Städtegemeinschaften weltweit. Einmal pro Jahr kommen die Hansestädte der alten Tradition folgend auf dem Hansetag zusammen. Der 42. Internationale Hansetag findet in diesem Jahr vom 26. bis 29. Mai in Neuss statt. Einbeck ist nicht dabei.

Bierdeckel zum Hansebiertreck 1972. (c) Einbecker Brauhaus AG
Rückseite des Bierdeckels zum Hansebiertreck 1972. (c) Einbecker Brauhaus AG

Vor 50 Jahren: Als der Biertreck nach Lübeck führte

Drei Jahre waren seit der Premiere vergangen, als wieder im Mai ein Biertreck von Einbeck aus aufbrach: Nach der legendären Reise auf der „Bockbierstraße“ nach München machten sich 1972 Fuhrwerke, Landsknechte und Reiter auf, erneut das gute Einbecker Bier nach alter Tradition auszuliefern. Auf Initiative des damaligen Brauereidirektors Karl-Ernst Lenz war 1969 der Treck nach München gezogen, drei Jahre später war nun die Hauptstadt der Hanse, Lübeck, das Ziel des „historisches Abenteuers in moderner Zeit“, wie das damals genannt wurde. Der „Hansetreck“ führte vom 7. bis 19. Mai 1972 von Einbeck über Hannover und Hamburg in die Hansestadt Lübeck.

Biertreck von Einbeck nach Lübeck in Burgdorf. (c) Bildarchiv Region Hannover, Sammlung Fritsche, Walter Fritsche https://bildarchiv.archivrh.de/detail/25119/

Ohne Einbeck gäb’s ja bekanntlich kein Bockbier. Und damit diese im Laufe der Jahrzehnte zu verblassen drohende Botschaft möglichst viele vernehmen mögen, war Brauereidirektor Lenz auf die Idee des historischen Biertrecks in die bayerische Landeshauptstadt 1969 gekommen. Es folgten die Biertrecks eben nach Lübeck (1972), und dann ins Rheinland nach Bonn (1973) und nach Celle (1978).

Diese Transporte waren echte Knochenjobs: Um beispielsweise acht Fässer mit 800 Litern Bockbier von
Einbeck nach München zu bringen, war so ein Biertreck mit zwei Fuhrwerken, einem Versorgungswagen, 30 Reitern, Herolden und bewaffneten Knechten 14 Tage unterwegs.

Biertreck von Einbeck nach Lübeck in Burgdorf. (c) Bildarchiv Region Hannover, Sammlung Fritsche, Walter Fritsche https://bildarchiv.archivrh.de/detail/25119/
Historischer Biertreck. (c) Abbildung: Einbecker Brauhaus AG
Historischer Biertreck. (c) Abbildung: Einbecker Brauhaus AG
Video über den Biertreck 1969 nach München

Bier-Krimi

Bierige Einbecker Krimis.

Drei bierige Einbecker Krimis.

Der edle Gerstensaft aus Einbeck hat schon so manche Spuren hinterlassen. Und auch literarisch kann das Bier bereits seit mehr als zehn Jahren sehr gut mithalten. Freilich wäre mal wieder ein frisch gezapftes Lesevergnügen ganz schön… 2003 legte der Berliner Autor Jürgen Ebertowski mit „Das Vermächtnis des Braumeisters“ einen ersten Kriminalroman mit viel Bier- und Lokal-Kolorit vor. 2005 folgte mit „Hanse und Halbmond“ ein weiterer hopfig-historischer Romantext, bevor Jürgen Ebertowski im gleichen Jahr mit „Die Akte Einbeck“ ein in der heutigen Zeit spielender Krimi aus der Feder floss. Seitdem ist leider Dürre, was Literarisches aus Einbeck mit Biernote betrifft. Süffigen Stoff gibt’s doch genug.

Während es in dem um 1500 spielenden Braumeister-Vermächtnis um das geheime Bierrezept der Einbecker geht, das ein Osloer Kaufmann gerne hätte, um das im gesamten Hanse-Raum gerühmte Bier nicht mehr teuer importieren zu müssen, sondern vor Ort in Skandinavien selbst brauen zu können, verlaufen die Fäden im Hanse-Halbmond vom spätmittelalterlichen Einbeck, in dem ein Braumeister ermordet wird, nach Hamburg und Konstantinopel. Die von Ebertowski erdachten Roman-Figuren agieren in einem genau recherchierten historischen Umfeld, das macht die Bücher nicht nur für Einbecker und Einbeck-Kenner lesenswert.

An der „Akte Einbeck“, das übrigens zur Eröffnung des Einbecker Bierpfades 2005 im Sommer präsentiert und beim damals noch würdig und regelmäßig zelebrierten Hanse-Bankett in der Rathaushalle auch offiziell vorgestellt wurde, haben Krimifreunde ihre Freude, die sich im heutigen Einbeck auskennen, die genau wissen, wo der Wassergraben verläuft, in dem eine Leiche am Diekturm auftauchen kann, und die bei der Honoratioren-Runde mit Sparkassen-Beteiligung im Brodhaus ins Schmunzeln kommen. Aikido- und Japan-Anklänge dürfen dabei den Leser nicht stören, denn von denen gibt es reichlich beim studierten Sinologen und erklärten Kampfsportfreund Ebertowski. Über Krimi-Nachschub mit Einbecker Biernote würden sich viele freuen.

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